LKW profitiert vom Wachstum

 

Das Statistische Bundesamt gab Ende Februar bekannt, dass das Güterverkehrsvolumen in Deutschland ist zum vierten Mal in Folge gewachsen ist.

 

Es hat 2016 den historischen Höchststand von 4,6 Milliarden Tonnen transportierter Güter erreicht, was einer Verkehrsleistung von 660 Milliarden Tonnenkilometern entspricht. Ein Bericht des Bundesministeriums sagt für alle Verkehrsträger ein weiteres Wachstum voraus. Laut Mittelfristprognose wächst der Güterverkehr in Deutschland bis 2019.

Die stärksten Zuwächse verzeichneten Luftfracht (+3,3 Prozent), Rohrleitungstransport (+2 Prozent) und der Lkw-Transport (+1,5 Prozent). Zurückgegangen sind die Beförderungsmengen auf Binnenschiffen (- 0,8 Prozent) und im Schienenverkehr (- 1,6 Prozent). Bezogen auf die absoluten Zahlen, werden die meisten Güter auf der Straße transportiert (3,6 Milliarden Tonnen), mit deutlichem Abstand gefolgt von Eisenbahn (361 Millionen Tonnen) und Seeschifffahrt (292 Millionen Tonnen).

Branchenverbände sehen in den Zahlen einen Beleg für die politische Benachteiligung der Schiene gegenüber konkurrierenden Verkehrsträgern. Anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen in Berlin sagte der Geschäftsführer vom Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene, Dirk Flege: „Die Bundesregierung bekommt von der amtlichen Statistik heute eine schmerzhafte Quittung für ihre Lkw-freundliche Politik vorgelegt“. So hätten die sinkende Lkw-Maut, steigende Trassenpreise und die hohen Abgaben auf Bahnstrom zu einer Verteuerung des Gütertransports auf der Schiene geführt.

 

Es sei jedoch eine politisch gewollte Entwicklung, dass der Transport auf der Straße „konkurrenzlos preiswert“ sei, so NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Die zunehmenden Kostenvorteile der Straße könnten auch durch Effizienzsteigerung bei den Bahnunternehmen nicht kompensiert werden.

Wegen der guten Perspektiven für den deutschen Außenhandel mit der EU und der Eurozone wird vor allem der grenzüberschreitende Lkw-Verkehr weiter zulegen. Die BAG-Prognose geht hier von einer jährlichen Leistungssteigerung von mehr als vier Prozent aus. Davon aber werden, wie schon seit Jahren, überdurchschnittlich stark die ausländischen Lkw profitieren – die deutschen Fahrzeuge dagegen kaum. Auf ausländische LKW entfällt mittlerweile mehr als ein Drittel der Transportleistung.

 

Der LKW bleibt das Maß aller Dinge

 

Aufwärts geht es in den konsumnahen Branchen wie Nahrungsmittel, Getränke (+ 1 Prozent Wachstum) sowie in der Textilindustrie (+ 2,0 Prozent) und Bekleidung + 1,0 Prozent). Eine Zunahme der Produktion in Höhe von einem Prozent wird auch der chemischen Industrie, der Automobilindustrie und dem Maschinenbau vorhergesagt. Nicht so gut läuft es hingegen in der Stahl- und metallerzeugenden Industrie: 2016 wird noch mit einem kleinen Plus (+ 0,6 Prozent) gerechnet. Ab 2017 muss sich die Branche und mit ihr deren Transportdienstleister auf eine Stagnation einstellen.

 

Die spannende Frage ist jetzt, wie die jeweiligen Verkehrsträger vom Wachstum profitieren. Die von der Politik gewünschte Verlagerung gelingt nicht, der Lkw bleibt das Maß aller Dinge. Nicht nur, dass der Güterverkehr auf der Straße weiter zunimmt. Er wächst auch stärker als die beiden anderen Verkehrsträger. Das wird auch am Modal-Split der Landverkehrsträger deutlich: Der Lkw kann seinen Anteil von 72,4 Prozent (2013) bis 2019 weiter steigern auf 73,9 Prozent. Das geht zulasten der Binnenschifffahrt, die mehr als einen Prozentpunkt verliert und nur noch auf 8,4 Prozent (2019) kommt.

Aber auch die Bahn kann sich nicht verbessern, im Gegenteil: Sie verliert Anteile, wenn auch mit 0,3 Prozentpunkte in sechs Jahren kaum fühlbar. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Bedarf am Transport von Massengütern wie Kohle, Erze und landwirtschaftliche Produkte in den kommenden Jahren abnimmt.

Hingegen werden immer mehr Stückgüter, Container oder auch Bauprodukte befördert – eine Domäne des Lkw.